Finanziell angeschlagen, plant die New York Times jetzt wohl einen Befreiungsschlag. Geplant ist es, die mit hohem finanziellen und personellem Aufwand recherchierten Nachrichten für das Internet nicht mehr zu verschenken, sondern nur noch kostenpflichtig anzubieten.

“Die Web-Site der, New York Times’, nytimes.com, erwägt die Erhebung einer monatlichen Gebühr von fünf Dollar für den Zugang zu ihren Inhalten, einschließlich aller Artikel, Blogs und Multimediaangebote”,

heißt es einer jüngst verschickten Abonnentenumfrage. Wer die Druckausgabe bereits abonniert hat, solle nur die Hälfte bezahlen, ist den weiteren Fragen zu entnehmen. Eine Sprecherin bestätigte die Echtheit der Umfrage und entsprechende Überlegungen des Verlages. Sie wollte sich aber nicht dazu äußern, ob und ab wann eine Gebühr erhoben werde. Es sei noch zu früh, dazu eine Aussage zu treffen, erklärte sie.

Möglicherweise wird die “New York Times” damit Vorreiterin im Kampf der amerikanischen Verlage gegen die Gratiskultur im Internet. Das Traditionsblatt leidet wie viele andere Medien weltweit unter einem massiven Anzeigenschwund, der teilweise durch die Rezession, teilweise durch die Abwanderung der Werbung ins Internet hervorgerufen wurde. Bis vor nicht allzu langer Zeit hatten die Verlage geglaubt, sie könnten die Einnahmeverluste durch mehr Werbung im Internet wettmachen. Dies erwies sich aber als Trugschluss: Reihenweise wurden in den vergangenen zwölf Monaten Tageszeitungen in den USA geschlossen. Aber nicht nur dort werden die Medien hart getroffen. In den Niederlanden erwägt die Regierung beispielsweise eine Sondersteuer auf Internetzugänge, die den angeschlagenen Zeitungen des Landes zu Gute kommen soll.

Bislang waren die Versuche großer Medien, Inhalte im Internet ausschließlich kostenpflichtig anzubieten, weitgehend gescheitert. Alleine die “New York Times” hat bereits zwei Anläufe hinter sich, die schnell wieder beendet wurden. Klassischerweise gingen bei solchen Versuchen verschiedener Medien die Nutzerzahlen und damit die Einnahmen aus der Internetwerbung stark zurück. “Unser Ziel ist es, deutlich mehr Umsatz im Internet zu machen, ohne unsere Werbeeinnahmen im Netz zu beeinträchtigen”, erklärte die Zeitungssprecherin die umfangreiche Leserbefragung.

In der von der Krise heftig gebeutelten New Yorker Medienwelt geht derzeit die Hoffnung um, dass die Gratiskultur des Internets durchbrochen werden könnte, wenn die Marktführer mit Bezahlinhalten voranschreiten. Dann könnten sich die übrigen Anbieter schnell anschließen und so dem Nutzer keine andere Wahl lassen als zu zahlen, wird spekuliert.

Ein Sprecher des “Wall Street Journal” (”WSJ”), der wichtigste Konkurrent der “New York Times” in den USA, bestätigte gestern, ebenfalls regelmäßig Leserbefragungen durchzuführen. Man äußere sich aber nicht öffentlich zu den Ergebnissen. Er bestätigte jedoch, es sei Haltung des Hauses, dass Qualitätsinhalte auch im Internet Bezahlung verdienten. Der US-Medienblog The Daily Beast hatte zuletzt berichtet, Verlagsbesitzer Rupert Murdoch habe einen globalen Expertenstab eingerichtet, um ein System für kostenpflichtige Inhalte zu entwickeln. Das “WSJ” hat bereits Erfahrung in diesem Bereich, da es bestimmte Inhalte im Internet nur Abonnenten kostenlos zur Verfügung stellt und die übrigen Leser zahlen lässt. Immerhin machte die Zeitung auch deshalb zuletzt einen Jahresumsatz von 100 Mio. Dollar.

via: Handelsblatt