Digg-Nutzer revoltieren gegen Zensur durch die Seiten-Betreiber
02.05.2007 | Kategorien: Digital Life, Industrie, Medien, Start-Ups, Web 2.0
Social-Bookmarking-Community Digg verliert die Kontrolle über die Inhalte auf der Seite an seine Community. Hintergrund ist das Löschen eines Artikels, in dem unrechtmäßig ein HD-DVD Decryption Code veröffentlicht wurde.
Die Social Bookmarking Community Digg hatte einen Artikel gelöscht, in dem ein HD-DVD Decryption Code verbreitet wurde. Da es sich um eine Verletzung von Rechten Dritter handelte, war die Löschaktion insofern gerechtfertigt.
Womit die Betreiber wohl nicht gerechnet hatten, war die Kraft, die eine große Community entwickeln kann: Die Community wehrte sich gegen das Löschen des Artikels, in dem immer weitere Artikel mit dem Decryption Code veröffentlicht und so bewertet wurden, dass sie auf der Startseite landeten. Inzwischen scheinen die Seiten-Betreiber die Kontrolle über das Geschehen ein wenig verloren zu haben. Auf der Startseite bei Digg gibt es mittlerweile unzählige Artikel mit dem Code.
In einem Statement äußerte sich einer der Gründer nun zum zweiten Mal zu diesem Fall: Darin beschreibt er welche Kraft die Community entwickeln kann, welche Gefahren für die Seite Digg in einem Rechtsstreit bestehen und dass keine Artikel mit dem Decryption Code mehr gelöscht werden. Dies kommt einer Aufgabe gegenüber der Macht der Community gleich. Welche Konsequenzen dieses Verhalten haben wird, ist noch unklar.
But now, after seeing hundreds of stories and reading thousands of comments, you’ve made it clear. You’d rather see Digg go down fighting than bow down to a bigger company. We hear you, and effective immediately we won’t delete stories or comments containing the code and will deal with whatever the consequences might be.
Web 2.0 Communities wie Digg leben von der Partizipation der Community. Doch zeigt dieser Fall sehr deutlich, welchen Einfluss Communities im Falle von user generated content haben und welche Implikationen zwischen Kontrollverlust und Rechtsverletzungen auftreten können. Die Verwicklungen könmnen ein solches Ausmaß erreichen, dass sie von den Seiten-Betreibern nicht mehr eingedämmt, geschweige denn kontrolliert werden können.
Mehr dazu findet man u.a. bei Techcrunch



Finde ich klasse! Zeigt, dass wenn Menschen zusammenarbeiten, sie alles erreichen können. So funktioniert die Demokratie. Und bevor jemand die Bekanntgabe des Keys als “falsch” bezeichnet: unsere Gesetze und sozialen Regeln werden von uns für uns gemacht (sollte jedenfalls so sein), und wenn so eine breite Masse sich gegen eine solche Regelung ausspricht, so stimmt an dieser Regelung etwas nicht. Der Key ist eh überall verfügbar; die Entscheidung von Digg, die Posts zu löschen, war also sinnlos und sie hätten den Aufruhr vorhersehen können. Denn das war nichts anderes als Zensur, und das funktioniert in der Demokratie bekanntermaßen nicht. Verstehe also nicht, warum diese kleine “Revolution” hier so verurteilt wird. Wenn die Leute jetzt auch noch an andere Lebensbereiche mit diesem Elan herantreten würden, wäre die Welt für alle ein Stück besser.
Deine Äußerungen sind im Prinzip richtig: Doch wurden die Gesetze von demokratisch gewählten Volksvertretern auch erlassen. Diese Volksvertreter sind daher demokratisch weitaus legitimierter als die Community von Digg. Richtig ist auch, dass der Key auf vielen Webseiten verfügbar ist. Die Digg-Betreiber haben - so zumindest ihre Äußerung - verhindern wollen, dass die Firma in einen langwierigen und kostspieligen Prozess wegen Rechtsverletzungen hineingezogen wird. Inwieweit die Community bereit ist, Digg in einer drohenden gerichtlichen Auseinandersetzung zu unterstützen, muss noch gezeigt werden.
Anderseits ist es dennoch natürlich bemerkenswert, wie schnell, effektiv und gewaltig eine Community Themen, Meinungen und Inhalte verbreiten und durchsetzen kann. Darin steckt jede Menge Potential, für Unternehmen allerdings auch Gefahr.
Der Beitrag sollte im übrigen keine Kritik an der Community enthalten, sondern wollte lediglich die Implikationen beleuchten, die sich im Bereich des UGC ergeben.
Was die Legitimation der Bush-Regierung angeht: ich glaube da kommen wir in eine Grundsatzdiskussion, in die ich mich gerade nicht weiter vertiefen möchte. ;)