Europäische Digitale Bibliothek Europeana ist online
Zustande kam sie aufgrund der Initiative von EU-Kommissarin Viviane Reding. Während Frankreich mehr als die Hälfte der Dokumente beisteuert, hält sich Deutschland mit nur einem Prozent Anteil sehr zurück.
Die europäische Kultur wurde vor allem in Frankreich geschaffen und zu zehn Prozent in Großbritannien. Diesen Eindruck könnte gewinnen, wer die neu eröffnete Internetpräsenz der “Europäischen Digitalen Bibliothek” Europeana besucht. Denn mehr als die Hälfte der zwei Millionen Dokumente, die dort angeboten werden, stammt aus Frankreich. Lediglich ein Prozent der Dokumente enthält Informationen zur deutschen Kultur. Spanien steht mit 1,4 Prozent allerdings nicht viel besser da.
Das wunderte auch EU-Kommissarin Viviane Reding, die für die Informationsgesellschaft und Medien zuständig ist:
“Ich finde die Zahlen erstaunlich. Aus Frankreich stammt die Hälfte der Inhalte. Sogar der Fall der Berliner Mauer wird mit einer französischen Dokumentation präsentiert”,
sagte sie laut New York Times.
Das ambitionierte Projekt wurde nach einer Onlinekonsultation Anfang 2006 von EU-Kommissarin Reding gestartet. Damals lautete das Ziel: Binnen fünf Jahren sollten mindestens 6 Millionen kulturelle Artefakte aus der europäischen Geschichte online verfügbar sein. Bei der Konzeption ließ sich Reding unter anderem von Google-Vizepräsident Nikesh Arora beraten. Die Begeisterung für die Teilnahme hielt sich in den EU-Mitgliedstaaten allerdings in Grenzen. Das veranlasste die Kommission im August 2006, die Mitgliedstaaten in einer Mitteilung zu mehr Engagement aufzurufen.
Aktuelle Inhalte werden aber vorerst kaum angeboten – nicht zuletzt aus finanziellen und rechtlichen Gründen. Die Kosten für die umfängliche Lizenzierung urheberrechtlich geschützter Werke würden den Etat des Projekts schnell sprengen, der sich in den ersten vier Jahren auf 200 bis 250 Millionen Euro beläuft. In Zukunft könnte jedoch ein integriertes Authentifizierungssystem und die Möglichkeit von pay-per-use per Mausklick implementiert werden, das Nutzungsbeschränkungen “für bestimmte Länder oder Domains” gewährleistet. So steht es auf der Seite von Europeana. Auf diese Weise könnte die Europeana für die europäischen Rechteinhaber attraktiv werden.
via: Golem