Während die Telekomkonzerne das “Fernsehen der Zukunft” anpreisen passiert zu diesem Thema so gut wie nichts. Gerade einmal 300 000 Deutsche holen ihre Sender per IPTV auf die Mattscheibe. Angesichts von knapp 20 Millionen Haushalten in Deutschland ist das verschwindend wenig. Daran hat auch die exklusive Vermarktung der Bundesliga-Spiele im Telekom-Fernsehen nichts geändert.
Um endlich Schwung in die alternative Art der Fernsehübertragung zu bringen, will die Deutsche Telekom ihren Neukunden das vermeintliche Premium-Produkt sogar eine Zeit lang zum kostenlosen Test anbieten. Hansenet ist noch einen Schritt weiter gegangen und bietet sein Fernsehen gleich ganz umsonst an. Für die angeschlagene Tochter von Telecom Italia ist Mattscheibe via DSL-Anschluss damit nur noch ein Vehikel, um DSL-Kunden zu halten oder zu gewinnen.
Wie viel besser läuft dagegen das Geschäft jenseits der deutschen Grenzen: Der französische Ex-Monopolist France Télécom hat mit 1,2 Millionen Fernsehkunden nicht nur deutlich mehr Nutzer als die Deutsche Telekom, sondern kann mit neuen Diensten wie TV sogar die sinkenden Einnahmen aus dem klassischen Festnetz kompensieren. Ähnlich sieht es in Spanien beim Marktführer Telefónica aus.
Der Erfolg der europäischen Nachbarn hat zwei Gründe: Zum einen haben sie sich nicht so viele Fehler beim Marktstart erlaubt wie die Deutsche Telekom. Zum anderen macht es ihnen die heimische TV-Infrastruktur leichter, Fuß zu fassen.
Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen zwar die Infrastruktur für den TV-Empfang Geld kostet, die meisten Sender aber kostenlos sind. Franzosen und Spanier sind dagegen gewohnt, auch Geld für Fernsehsender zu bezahlen. Während gerade einmal 14 Prozent der deutschen Haushalte Bezahlsender nutzen, sind es in Frankreich mehr als drei Mal so viele und in Spanien doppelt so viele.
In Frankreich kommt noch hinzu, dass es - anders als hier zu Lande - keine flächendeckende Versorgung mit Kabelanschlüssen gibt. Die meisten Franzosen beziehen ihr TV-Signal über terrestrische Verbindungen. Die aber bieten weitaus weniger Sender als Kabel oder Satellit. In den Großstädten wie Paris untersagt der Denkmalschutz zudem auf den meisten Hausdächern das Aufstellen von Satellitenschüsseln.
Die Deutsche Telekom startete ihr Angebot drei Jahre später, bot es zunächst nur auf ihrem neuen Highspeed-Netz VDSL an und verhakte sich dann auch noch über Monate mit der Regierung und der Bundesnetzagentur in einen Streit über die Regulierung des Supernetzes. Erst seit der Ifa im vergangenen Jahr bietet die Telekom Fernsehen auch über herkömmliche schnelle DSL-Leitungen an. Zu dem planerischen Hickhack der Telekom gesellten sich anfangs auch noch technische Probleme wie ruckelnde Bilder und Störungen beim Umschalten.
Das Telekom-Angebot für Telefon, DSL-Anschluss und IPTV war 2006 mit 80 bis 110 Euro im Monat viel zu teuer. Inzwischen verlangt der Marktführer für diesen Dreiklang zwar nur rund 50 Euro. Das ist aber immer noch viel mehr als in Frankreich, wo sich die Preise bei rund 30 Euro eingependelt haben.
via: Handelsblatt
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