WDR und WAZ: Schulterschluss im Internet

Der WDR und der Essener Zeitungskonzern WAZ verkündeten ihre Zusammenarbeit im Internet. Künftig liefert die größte Sendeanstalt der ARD Fernseh- und Radiobeiträge für das WAZ-Nachrichtenportal “Der Westen“.

“Die Zusammenarbeit zwischen öffentlich-rechtlichen Sendern und Verlagen bei Bewegtbildangeboten im Internet kann die Attraktivität unserer Online-Portale weiter steigern. Wichtig ist, dass eine solche Zusammenarbeit mit ARD und ZDF grundsätzlich allen Zeitungsverlagen offen steht”

so Clemens Bauer, Vorsitzender des NRW-Zeitungsverlegerverbandes.

800px_WDR_Dachmarke.svg_1_1.pngDas Zweite gilt mit seiner Online-Videoarchiv – intern ZDF -Mediathek genannt – als der Pionier des Internet-Bewegtbildes unter den öffentlich-rechtlichen Senders. Während die ARD oft mit sich selbst hadert, ist das ZDF mit seiner Expansion in den vergangenen Monaten vorangeprescht. Ursprünglich war der Zusammenschluss allerdings keine Idee der ARD. Bereits im vergangenen Jahr hat ZDF -Intendant Markus Schächter die Idee einer Kooperation zwischen einer öffentlich-rechtlichen Anstalt und einem Printverlag öffentlich verkündet.

Das am Dienstag bekannt gegebene Kooperationsmodell sieht vor, dass der WDR aktuelle Magazinbeiträge rund eine Stunde nach Ausstrahlung an das Nachrichtenportal “Der Westen” der WAZ -Gruppe liefert. Dafür erhält der WDR eine Lizenzgebühr. In welchen Maß künftig ARD und ZDF Einnahmen aus der Verwertung ihrer Bilder durch die Zeitungsverlage erzielen, ist ungewiss. Nur so viel ist laut Intendant Schächter klar: “Unsere Bewegtbilder sind nicht kostenlos.”

WAZ_logo_2.jpgDer Schulterschluss zwischen ARD/ZDF und den Verlagen ist der privaten Konkurrenz wie RTL und Pro Sieben Sat 1 ein Dorn im Auge. Aus der Sicht der Privatsender ist die Lieferung von Inhalten, die bereits vom Gebührenzahler finanziert worden sind, an private Medienunternehmen problematisch. Ob tatsächlich von der WAZ -Gruppe marktübliche Preise gezahlt werden, ist unklar. Das wird womöglich ein Konfliktpunkt sein.

Die Privaten fürchten eine Wettbewerbsverzerrung. Mit der Kooperation zwischen WDR und WAZ ist der Präzedenzfall geschaffen worden. Offenbar werden die Privaten die Rechtsaufsicht bemühen, um feststellen zu lassen, ob die Kooperation einer ARD -Anstalt mit einem Zeitungskonzern überhaupt legal ist.

via: Handelsblatt